Gründung und erste geh versuche

 

 

 

Entstehung, Wachsen und Wirken des VFL Resse 1908 e.V.:

 

Einleitung :

Fünf Jahre vor der Jahrhundertwende war Resse mit seinen zwei Bauernschaften Eckerresse und Surresse nur ein kleines Kirchspiel mit etwa 1000 Einwohnern. In landschaftlicher Schönheit mit seinen alten Bauernhäusern, den saftigen Wiesen und fruchtbaren Äckern zwischen dem Besitz der reichen Grafen von Buer, Westerholt und Herten mit ihren damaligen großen Waldungen, der Resser Mark und den Emscherbruchwäldern gelegen, wird Resse 1895 durch die Abteufung der Ewaldschächte 3/4 recht unsanft aus seiner ländlichen Ruhe gerissen und entwickelt sich in knapp 10 Jahren zu einem aufstrebenden Industrieort mit etwa 10000 Einwohnern. Die Menschen kamen, angelockt durch die hohen Löhne und Gehälter, die in Gold- und Silbermark gezahlt wurden, aus fast allen Gebieten Deutschlands nach hier und wurden bei 10- bis 12stündiger Tagesleistung überall in dem gewaltigen Arbeitsprozeß der Industrie und des Bergbaues, im aufblühenden Handwerk, Handel und Gewerbe eingespannt. Die Unterbringung der hinzugezogenen Bewohner mit ihren Familien erfolgte in einfachen, aus roten Ziegelsteinen hergestellten Serienbauten, die als sogenannte Kolonien wie Pilze aus der Erde schossen und in der Nähe der großen Werke und Zechen oft weitab von den Ortskernen errichtet wurden.

Resse befindet sich um die Jahrhundertwende, wie alle Orte und Städte in den Wirtschaftszentren in Deutschland, im Zeichen des industriellen Aufblühens. Bei dieser sprunghaften Entwicklung wird der Ausbau guter Straßen und die Schaffung von notwendigen Verkehrsverbindungen stark vernachlässigt; so besteht z. B. von Resse nach Buer direkt weder eine befestigte Straße noch Straßenbahnverbindung. Vom Sport, wie wir ihn heute verstehen, wußte man zu diesem Zeitpunkt noch recht wenig in Resse. Es gab hier weder einen Spielplatz noch eine Turnhalle, wo die Resser Jugend ihren Spielbetrieb in ausreichendem Maße betätigen konnte; ebenso fehlten im Gebiet der 100 Quellen und Börnchen Freibadeanstalten. Dass dies kein Dauerzustand blieb, verdankt die Jugend sportbegeisterten jungen Männern, die mit einem neuen Spiel und einer neuen Idee eine Umwälzung auf dem bisherigen Gebiet der Leibesübungen herbeiführten.

Von der Gründung des Resser Sportvereins

In den Achtziger Jahren machten englische Studenten und englische Schüler, die auf verschiedenen Universitäten und höheren Lehranstalten ihr Studium absolvierten, die deutsche Jugend mit dem Fußballspiel bekannt. Mit Begeisterung griff sie dieses Spiel auf und schuf sich das große Spiel unseres Volkes, das packendste und wertvollste aller Kampfspiele. Kampf ist das Fußballspiel, Kampf auch sein Werdegang! Dort, wo die deutsche Jugend zuerst mit dem Fußballspiel Bekannschaft machte, erfolgte auch durch Zusammenschluß gleichgesinnter Fußballenthusiasten die Gründung der ersten Sportvereine. Anfang der neunziger Jahre entstanden sie zuerst in Berlin und in Süddeutschland. Etwas später wurden in Westdeutschland u. a. folgende Vereine ins Leben gerufen: Dortmunder Sportklub von 1895. Sp.u.Sp. Schalke 96, Kölner SC von 1899, Düsseldorfer SC 1899, Essener SpV 99 und viele andere mehr.

Fußballsportbegeisterte Jungen aus Resse, Erle, Beckhausen, Buer usw. besuchten die Spiele von Schalke 96 die über ein beachtliches Fußballkönnen verfügten. Das Beispiel dieser Frühgründung fand in Buer und Umgebung bald Nachahmer. So erfolgte 1905 in Beckhausen die erste Gründung des Fußballvereins Preußen Sutum. In Buer wurde 1907 der Ballspielverein Buer 07 aus der Taufe gehoben. Überall entstanden in der näheren und weiteren Umgebung von Resse Sportvereine, die dem König Fußball huldigten.

Man schrieb das Jahr 1908. Durch die Initiative des Fußballpioniers Hubert Schoppmann fanden sich im Frühjahr des Jahres in der jetzigen Wirtschaft Wess fußballsportbegeisterte junge Angestellte, Söhne der Geschäftswelt und Schüler höherer Lehranstalten im Alter von 15 bis 18 Jahren mit kleinem Einkommen ein, denen er die Gründung eines Sportvereins vorschlug. Alle Anwesenden waren "Feuer und Flamme" und stimmten begeistert zu. Nach einigen weiteren Zusammenkünften, wo man sich mit der "Materie' eingehend befaßt hatte, fand die endgültige Gründungsversammlung im Juni 1908 im Klubzimmer der Gaststätte "Germania' beim Wirt Heinrich Schlüter, Ecke Middelicher und Eichenstraße statt. Die Namen jener jungen Männer, die aus begeistertem Herzen an diesem denkwürdigen Tage den Fußballsportverein Resse gründeten, sollen der Nachwelt erhalten bleiben. Es sind: Hubert Schoppmann, Fritz Brüggemann, Willi Mai, Heinrich Merschemke, Julius Reinsch, Willi Vogt, Willi Wege, Johann Wiedemeyer, Theodor Widenka und Isidor Wolf. Sie beriefen Hubert Schoppmann zum 1.Vorsitzenden, Willi Mai zum Schriftführer, Johann Wiedemeyer zum Kassierer und gaben dem aus der Taufe gehobenen Sportverein den Namen "Fußballklub Germania 1908", benannt nach dem Vereinslokal; eine schöne Geste gegenüber dem Vereinswirt, der diesen jungen, sportbegeisterten Vereinsgründern so viel Verständnis entgegenbrachte. Als Sportbekleidung wurde eine schwarze Hose und rotes Trikot mit weißem Kragen und weißen Armelaufschlägen gewählt. Nach vollzogenem "Stapellauf' des "neuen Vereinsschiffchens" fand anschließend nach dem "Taufakt' im internen Kreis der Gründer eine gesellige Feier statt. Willi Wege sorgte für den Humor und Theo Widenka stellte die Hauskapelle. Der von Willi Mai angestimmte Cantus "Im Herbst, wenn's Wetter kühl" klappte vorzüglich wie bei "alten Fußballhasen"; und dabei sollte mit dem eigentlichen Fußballspiel erst der Anfang gemacht werden! - So fand der erste feuchtfröhliche, gesellige Fußball-Kommers statt, dem später noch viele folgen sollten. - Fast zur gleichen Zeit wurde im benachbarten Ortsteil Erle der "Erler Spielverein 08" gegründet.

Mit Aufnahme der Vereinstätigkeit und des Spielbetriebes stellten sich die ersten Schwierigkeiten ein. Nach Einreichung des Antrages um Aufnahme in den West-deutschen Spielverband erhielt der Verein zunächst Spielerlaubnis. Einige Wochen später erfolgte die Ablehnung des Aufnahmeantrages, weil die Bedürfnisfrage für einen dritten Verein neben Erle 08 und Buer 07 verneint wurde; dem Resser Verein wurde der Anschluß mit Buer 07 empfohlen! Diese Ablehnung war bei der weiten Entfernung der in sich abgeschlossenen und selbständigen Gemeinden nicht zu verstehen. Ein zweiter Aufnahmeantrag mit einer Gebietskarte von Buer und einer Richtigstellung der tatsächlichen Verhältnisse hatte Erfolg. Die Aufnahmeurkunde tragt das Datum des 5. 8. 1908 und die Unterschriften der WSV-Vorstandsmitglieder Fugmann und Klose. Das bedeutete die Sicherung der Existenzgrundlage.

Auf eigenen Füßen erfolgte der Schritt ins "Leben". Zunächst aber erfreute sich das Fußballspiel keiner besonderen Sympathie in der Öffentlichkeit. So wollte man auch in Resse von dem "rohen Spiel" nichts wissen; man nahm Anstoß an der Sportkleidung. Das Spielen während des Gottesdienstes hielt man für eine Entheiligung des Sonntags. Den größten Widerstand gegen die Ausübung des Fußballspiels leisteten die Eltern, die Schulen, die Geistlichkeit und die Hüter der öffentlichen Ordnung. Insbesondere verboten die höheren Schulen jede Teilnahme am Vereinswesen und Vereinssport. Viele Schüler höherer Lehranstalten, die in den Gründerjahren in den ersten Mannschaften hervorragende Spiele lieferten, berichten noch heute darüber, wie schwer sie es hatten, sich an den Wettkämpfen zu beteiligen, weil diese Teilnahme, wenn sie bekannt wurde, ihr Studium und ihren künftigen Beruf gefährdeten. Deswegen spielten viele Schüler unter einem Pseudonym. Wie überall war die Beschaffung eines geeigneten Sportplatzes in Resse mit größten Schwierigkeiten verbunden. Nicht weniger als achtmal verlor der Resser Sportverein in den ersten 20 Jahren nach der Gründung seinen Platz bzw. mußte ihn wieder für besondere Zwecke hergeben, so daß im wahrsten Sinnes des Wortes der Verein von 1908 bis 1928 einen schweren Kampf um seine Existenz geführt hat. Der mehrfache Verlust des Sportplatzes und die damit verbundenen Ruhepausen im sportlichen Übungsbetrieb hemmten die sportliche Entwicklung des Vereins immer wieder und verhinderten die als Ziel gesteckte Breitenarbeit zur Erfassung eines größeren Kreises der Resser sportbegeisterten Jugend und damit auch die als Ziel gesteckte Aufwärtsbewegung. Der Verlust an ideellen und materiellen Werten in dieser Zeit der lähmenden Sportplatznot kann wohl erwähnt, aber zahlenmäßig nicht angegeben werden. Die verantwortlichen Männer im Staat und in den Gemeinden brachten in dieser Zeit der jungen Sportbewegung nicht das notwendige Verständnis entgegen und versagten den Vereinen fast jede Hilfe bei der Pachtung oder dem Erwerb von Gelände zur Ausübung der Rasenspiele und Leichtathletik. So wurden auch vom Vorstand wiederholt eingereichte Gesuche an die Gemeindeleitung und auch an höhere Instanzen um Vermittlung bei der Beschaffung eines geeigneten Geländes zur Anlage eines Sportplatzes abgelehnt.

Ein schwieriges Problem war bei den kleinen Gehältern und Löhnen der jungen Mitglieder die Lösung der Ausrüstungsfrage. Hier fanden sich schon Gönner und Förderer, die gelegentlich einen Fußball oder Trikots spendeten. - Die Beschaffung der Torpfosten und Querlatten für zwei Fußballtore war bei den "guten Beziehungen", die man auf diesem Gebiet besaß, ein leichter zu lösendes Problem. Die Auf und Abmontierung besorgten die Spieler selbst, ebenso die Pflege der Fußbälle. Vorstand und Mitglieder betätigten sich aktiv als Fußballspieler.

 

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